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Daniel Glattauer über „Geschenkt“

Der Facebookseite von Daniel Glattauer folgen bis heute mehr als 21.000 Fans. Als Dankeschön wendet sich Daniel Glattauer wenige Tage vor Erscheinen seines neuen Romans an seine Leser und schreibt über die Entstehunggeschichte von „Geschenkt“:

Liebe Leserinnen und Leser meiner Facebook-Seite, zunächst ein großes Dankeschön für Euer stetes Interesse an meinen Büchern, für eure Treue, eure aufbauenden Kommentare und eure oftmals originellen Beiträge.

Heute melde ich mich, um euch die Entstehungsgeschichte meines neuen Romans „Geschenkt“ zu erzählen. Das Buch erscheint am 25. August. Ich gebe zu, dass ich sehr daran hänge, und dass ich mich natürlich riesig freuen werde, wenn es euch gefällt.

Der Ursprung der Idee liegt schon zweieinhalb Jahre zurück. Ich befand mich mit meinem Roman „Ewig Dein“ auf Lesereise in Deutschland, saß im Flieger nach Hamburg, blätterte in den Tageszeitungen und stieß auf eine Kurzmeldung über ein ganz und gar ungewöhnliches Geschehnis. Auffallend daran war schon einmal, dass es im Umfeld der üblichen täglichen Schreckensmeldungen die einzige erbauliche Nachricht war:
In Braunschweig in Niedersachsen habe sich, so war zu lesen, zum wiederholten Male eine „geheimnisvolle Wohltat“ ereignet. Jemand verteile dort sein Geld – offenbar große Ersparnisse – an hilfebedürftige Menschen oder an deren Helfer. Das besondere daran: Er oder sie macht es anonym. Diese Person erfährt aus der lokalen Presse von einem aktuellen Fall sozialer Bedürftigkeit, und tags darauf langt dort ein Kuvert mit dem entsprechenden Zeitungsausschnitt und mit jeweils 10.000 Euro Bargeld ein.

Drei Tage später war ich in Braunschweig zu Gast. Nach der Lesung saßen wir in einer Gruppe beisammen und sprachen lange über die Spendenserie und über Spekulationen, wer denn da dahinterstecken könnte.
„Geheimnisse des Bösen“ lauern ja quasi an jeder (dunklen) Ecke, das gesamte Genre der Kriminalliteratur lebt davon. Aber wer tut Gutes und hüllt sich darüber in Schweigen? Was gibt es für Gründe, sich hinter seinen Guttaten zu verbergen? Und, eine weitere interessante Frage, die sich uns stellte: Wie geht es wohl jenen Journalisten, die mit ihren Artikeln über sozial Schwache das Herz des Wohltäters erweichen konnten und den Geldsegen regelmäßig auslösten? – Je länger der Abend wurde, desto lauter dachte ich mir, und schließlich sprach ich es aus: „Das wäre eigentlich ein wunderbares Thema für einen Roman.“ Alle Beteiligten nickten und schauten mich irgendwie erwartungsvoll an….

Ein knappes Jahr später hatte ich fünf, sechs Ideen für ein Buch im Kopf. Es war Ende Dezember, ich hatte gerade eine Ausbildung zum „psychosozialen Berater“ abgeschlossen und mein Theaterstück „Die Wunderübung“ fertig geschrieben. Und nun hatte ich mir fest vorgenommen, besser gesagt, ich brannte darauf, mit einem neuen Roman zu beginnen. Beim genaueren Studieren der Ideen fiel mir Ähnliches auf wie damals im Flugzeug bei der Zeitungslektüre: Es waren lauter negative, traurige, abgründige Geschichten, die mir da in den Sinn kamen – mit einer einzigen Ausnahme, und das war die „anonyme Spendenserie“. Ich merkte, dass ich daran am allerliebsten dachte, dass mich die Beschäftigung mit diesem Stoff in gute, beinahe euphorische Stimmung versetzte. Schon hatte ich eine Reihe von Romanfiguren vor mir, und ich hatte die ersten „Filmszenen“ im Kopf. – Das ist bei mir meistens so, dass ich zuallererst in Bildern und kurzen Episoden denke. Je besser sich diese Bilderfolge verdichten lässt, desto sicherer bin ich, dass ich dieses Buch auch tatsächlich schreiben kann. Bei „Geschenkt“ ging das rasend schnell, und ich war ziemlich aufgeregt, das war schon einmal ein gutes Zeichen.

Vor jedem Buch, das ich zu schreiben beginne, stelle ich mir selbst ein paar Grundsatzfragen: Bietet die Geschichte ausreichend Platz für meinen Humor und für meine Vorstellung von Sprachwitz? (Konnte ich mit Ja beantworten.) Hat sie das Zeug dazu, von Gefühlen getragen zu werden und mir selbst zwischendurch immer wieder das Herz aufgehen zu lassen? (Doch, ich war mir sicher!)
Und das wichtigste zu Beginn: Welcher Erzählform könnte ich mich bedienen, um die richtige Mischung aus Tiefgang, Leichtigkeit, Spannung und Unterhaltung zu erzielen?

Nun, ich entschied mich für einen Ich-Erzähler im Mittelpunkt der Geschehnisse, der sozusagen die Schnittstelle aller Handlungsbögen darstellt und bei dem sämtliche Roman-Figuren „zusammenlaufen“ sollten.

Diese Schlüsselfigur des Romans taufte ich Gerold „Geri“ Plassek, und ich ließ ihn als heruntergekommenen Journalisten bei einer Wiener Gratis-Boulevardzeitung starten. In welche Richtung er sich entwickeln würde, war mir von Anfang an klar: nach oben. Aus ihm sollte kein „Hollywood-Held“ werden, aber er sollte am Ende wenigstens einen tauglichen Weg aus seinem persönlichen Schlammassel eingeschlagen haben. Ob er eine Liebesgeschichte erleben würde? – Ich wünschte es ihm, aber ich konnte es mir zu Beginn nicht so recht vorstellen. Jedenfalls brauchte er einen Menschen an seiner Seite, der ihm Halt gab, an dem er reifen konnte, um dessen Gunst er warb, für den er bereit war, über seinen Schatten zu springen und Verantwortung zu übernehmen. So kam ich auf Manuel, seinen 14jährigen Sohn. Besser noch: der Sohn weiß vielleicht gar nicht, dass Gerold Plassek sein Vater ist….

So, Schluss jetzt, sonst verrate ich euch noch die ganze Geschichte. Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen neugierig machen.
Dann bleibt mir nur noch, euch schöne Lesestunden zu wünschen. Und möge euch „Geschenkt“ wenigstens halb so zu Herzen gehen wie mir, als ich es schrieb.

FB-ThumbsUp_100 Daniel Glattauer bei Facebook: www.facebook.com/daniel.glattauer

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