Leseprobe

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Zwei Stunden später
AW:
Liebe Frau Rothner,
schön, dass Sie mir schreiben, ich habe Sie schon vermisst. Ich war bereits knapp dran, mir ein Like-Abonnement zuzulegen. (Vorsicht, aufkeimender Humor!) Und Sie haben mich tatsächlich per »Google« gesucht? Das finde ich überaus schmeichelhaft. Dass ich für Sie ein »Professor« sein könnte, gefällt mir, ehrlich gestanden, eher weniger. Sie halten mich für einen alten Sack, stimmt’s? Steif, pedantisch, besserwisserisch. Nun, ich werde mich nicht krampfhaft bemühen, Ihnen das Gegenteil zu beweisen, sonst wird es peinlich. Vermutlich schreibe ich derzeit einfach älter, als ich bin. Und, mein Verdacht: Sie schreiben jünger, als Sie sind. Ich bin übrigens Kommunikationsberater und Uni-Assistent für Sprachpsychologie.

Wir arbeiten gerade an einer Studie über den Einfluss der E-Mail auf unser Sprachverhalten und – der noch wesentlich interessantere Teil – über die E-Mail als Transportmittel von Emotionen. Deshalb neige ich ein wenig zum Fachsimpeln, ich werde mich aber künftig zurückhalten, das verspreche ich Ihnen. Dann überstehen Sie einmal die Faschingsfeierlichkeiten gut! Wie ich Sie einschätze, haben Sie sich bestimmt ein schönes Kontingent an Pappnasen und Tröten zugelegt. 🙂
Alles Liebe, Leo Leike.

22 Minuten später
RE:
Lieber Herr Sprachpsychologe,
jetzt teste ich Sie einmal: Was glauben Sie wohl, welcher Ihrer soeben erhaltenen Sätze für mich der interessanteste war, so interessant, dass ich Ihnen gleich eine Frage dazu stellen müsste (würde ich Sie nicht vorher testen)? Und hier noch ein guter Tipp, Ihren Humor betreffend: Ihren Satz »Ich war bereits knapp dran, mir ein Like-Abonnement zuzulegen« habe ich als zur Hoffung Anlass gebend empfunden! Mit Ihrer Zusatzbemerkung »(Vorsicht, aufkeimender Humor)« haben Sie leider wieder alles verpatzt: Einfach weglassen! Und auch die Sache mit den Pappnasen und Tröten fand ich lustig. Wir haben offenbar den gleichen Nicht-Humor. Trauen Sie mir aber ruhig zu, Ihre Ironie zu erkennen und verzichten Sie auf den Smiley! Alles Liebe, ich find es echt angenehm, mit Ihnen zu plaudern.
Emmi Rothner.

Zehn Minuten später
AW:
Liebe Emmi Rothner,
danke für Ihre Humortipps. Sie werden am Ende noch einen lustigen Mann aus mir machen. Noch mehr danke ich für den Test! Er gibt mir Gelegenheit Ihnen zu zeigen, dass ich doch (noch) nicht der Typ »alter selbstherrlicher Professor« bin. Wäre ich es, dann hätte ich vermutet: Der interessanteste Satz müsste für Sie »Wir arbeiten gerade an einer Studie … über die E-Mail als Transportmittel von Emotionen« gewesen sein. So aber bin ich sicher. Am meisten interessiert Sie: »Und, mein Verdacht: Sie schreiben jünger als Sie sind.« Daraus ergibt sich für Sie zwingend die Frage: Woran glaubt der das zu erkennen? Und in weiterer Folge: Für wie alt hält er mich eigentlich? Liege ich richtig?

Acht Minuten später
RE:
Leo Leike, Sie sind ja ein Teufelskerl!!!
So, und jetzt lassen Sie sich gute Argumente einfallen, um mir zu erklären, warum ich älter sein müsste als ich schreibe. Oder noch präziser: Wie alt schreibe ich? Wie alt bin ich? Warum? – Wenn Sie diese Aufgaben gelöst haben, dann verraten Sie mir, welche Schuhgröße ich habe.
Alles Liebe, Emmi.
Macht echt Spaß mit Ihnen.

18 Kommentare zu Leseprobe

  1. Bea :

    Passiert mir gerade selbst, will unbedingt das ganze Buch lesen. Muss ich mir unbedingt besorgen. Tipp kam von meiner Cousine – ich danke ihr.

  2. Sehr geehrter Herr Glattauer,

    mir fällt – als wirklich Literaturinteressiertem – nur das Kompliment „genial“ ein.
    Übrigens hat mich eine (weibliche) Internetbekanntschaft auf Ihre Bücher aufmerksam gemacht, und wie es schon vorherige Poster schilderten, man „frisst“ sie wirklich über Nacht. Sie schildern ein Phänomen unserer Zeit, das die Kommunikationswissenschaft noch nicht ergründen konnte und das scheinbar allen Erkenntnissen, die in Jahrtausenden über menschliches Zusammenleben gewonnen wurden, widerspricht. Ja, man kann tatsächlich auf rein textueller Basis eine höchst intensive Beziehung knüpfen. Das gibt es heute übrigens auch im beruflichen Bereich, Sie selbst werden es wissen.

    Herzlichst
    Andreas Thiemig, Dresden

  3. Heide Elster :

    Ein Text, der wohl eher jüngere Leser anspricht. Das ist vermutlich auch der Grund, warum die Textprobe dieses Jahr in der Deutsch-Abschlussprüfung an der Realschule den Schülern zur Bearbeitung vorgelegt wurde.

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