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Petra Hartlieb über Daniel Glattauer

Petra Hartlieb ist Eigentümerin der Buchhandlung „Hartliebs Bücher“ in Wien und eine langjährige Bekannte von Daniel Glattauer. In ihrem Buch „Meine wundervolle Buchhandlung“ erzählt sie, wie sie unseren Autor bei seinem Werdegang begleitet hat. Die Textpassage dürfen wir mit freundlicher Genehmigung des Dumont Buchverlags  veröffentlichen.

 

Als ein Vertreter, der meinen Geschmack eigentlich ganz gut kennt, mir mit einem Packen Papier aufgeregt vor dem Gesicht herumwedelt und ruft: »Das musst du lesen! Das ist großartig!«, stehe ich dem prinzipiell wohlwollend gegenüber, doch als ich es aufschlage, bin ich nicht gerade begeistert. Seltsam gesetzte Textpassagen, dazwischen immer wieder Absätze und Lücken. Geschrieben von einem alten Bekannten, Daniel Glattauer. In dem kleinen Verlag, in dem ich in den Neunzigern gearbeitet habe, ist sein allererstes Buch erschienen. Ich war damals eine unerfahrene Pressefrau und er zwar ein – in intellektuellen Kreisen – bekannter Journalist, aber definitiv kein bekannter Buchautor. Wir sind damals gemeinsam ziemlich rumgekommen, ich fuhr mit ihm zu Buchpräsentationen in die österreichische Provinz und veranstaltete Signierstunden auf Weihnachtsmärkten. Wir haben uns nie so ganz aus den Augen verloren, hielten immer losen Kontakt. Und nun: Ein E-Mail-Roman in einem renommierten Verlag. Will ich so etwas lesen? Eigentlich nicht. Ich fahre am selben Tag zum Bachmann-Preis nach Klagenfurt, packe das Glattauer-Manuskript ein und kaufe mir als Alternative am Südbahnhof noch ein paar Zeitungen. In Wiener Neustadt beginne ich dann doch zu lesen, und: nach ein paar Seiten bin ich drin. Aber so was von. Für die Strecke Wien – Klagenfurt braucht man mit dem Zug genau vier Stunden, wie gut, dass ich eine schnelle Leserin bin, denn sonst wäre ich einfach nicht ausgestiegen, weitergefahren bis Italien, denn aufhören wäre völlig unmöglich gewesen. In Klagenfurt rufe ich Daniel an, die Nummer seiner Zeitungsredaktion kann ich immer noch auswendig.

»Ich hab das Manuskript gelesen!«

»Ja?«

»Du wirst damit richtig reich werden!«

»Glaubst du wirklich?«

»Ich weiß es. Wir werden alle sehr viel Geld damit verdienen.«

Und ich weiß, es ist unfair und man kann es auch nicht vergleichen, ich meine, man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, aber in diesem Jahr finde ich die Texte bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur, wie der Bachmann-Preis seit ein paar Jahren heißt, seltsam uninspiriertund völlig abgehoben. Ich weiß schon, das eine ist Literatur und das andere Unterhaltung. Zwei völlig unter schiedliche Märkte und Zielgruppen werden bedient, aber am Ende sind es doch einfach nur Bücher, die wir verkaufen können oder nicht, die beim Leser Emotionen wecken, sei es aufgrund der schönen Sprache oder wegen der Geschichte, die erzählt wird.

Und als der Vertreter wiederkommt, um meine Vorbestellungen für den neuen Glattauer entgegenzunehmen, sage ich einfach: »Ich nehm dreihundert.« Und er sieht mich an, als wäre ich verrückt. Die dreihundert waren erst der Anfang.

Und solche Bücher sind es dann, die einen vergessen lassen, dass man viel zu viel arbeitet und viel zu wenig dabei verdient, denn wir verkaufen das schönste Produkt, das es gibt. Wir verkaufen Geschichten. Und ich kann mich für einen guten Unterhaltungsroman genauso begeistern wie für die sogenannte ernsthafte Literatur, und manchmal finde ich diese Unterscheidungen im deutschen

Sprachraum sehr mühsam. Jedes Mal dieser Eiertanz, wenn man rausfinden möchte, welche Art von Buch eine Kundin gerne möchte, wenn sie in den Laden kommt und sagt: »Empfehlen Sie mir ein gutes Buch.«Was könnte das sein? Was ist für die Dame ein gutes Buch? Irgendetwas zwischen Elfriede Jelinek und Cecilia Ahern, aber wie bekomme ich das raus, ohne beleidigend zu sein?

»Eher was Anspruchsvolles oder was Unterhaltsames?« Wie blöd ist das denn? Warum kann etwas Anspruchsvolles nicht auch unterhaltsam sein? Aber natürlich ist es wichtig, das rauszubekommen, denn es gibt ja Bücher, mit denen manche Leute sehr unglücklich wären.

 

Das Buch

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Petra Hartlieb
Meine wundervolle Buchhandlung
Roman
208 Seiten, Hardcover
H18,5 x B11,6 cm
EUR 18,00 [D] / 25,90 sFr.
Erschienen am 17.09.2014
ISBN 978-3-8321-9743-8

Petra Hartlieb lebt gemeinsam mit ihrer Familie in und über einer Buchhandlung. Ihrer eigenen. Aus einer Schnapsidee heraus bemühte sie sich im Urlaub gemeinsam mit ihrem Mann um eine gerade geschlossene Traditionsbuchhandlung in Wien. Von einem auf den anderen Tag kündigte sie ihren Job und begann mit ihrer Familie ein neues Leben in einer neuen Stadt, ohne zu wissen, worauf sie sich einlässt. Im Herzen ist Petra Hartlieb noch immer Hippie geblieben, auf dem Papier ist sie aber nun schon seit zehn Jahren Unternehmerin.
In diesem Buch erzählt sie ihre eigene Geschichte und die ihrer Buchhandlung. Einer Buchhandlung, die zum Wohnzimmer für die eigene Familie wird, und zum Treffpunkt für die Nachbarschaft. Mit Stammkunden, die zu Freunden werden, und Freunden, die Stammkunden sind. Petra Hartlieb erzählt in einem schlagfertigen und humorvollen Ton, der jede Zeile zu einem großen Vergnügen macht und jedes Kapitel zu einer Liebeserklärung an die Welt der Bücher.

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